Die Buchstaben sind wie Ameisen und haben ihren eigenen geheimen Staat.
Elias Canetti

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen … was für ein schwerwiegender Satz. Die Schwere wird zusätzlich betont, indem dieser Satz nahezu inflationär verwendet wird. Und zwar in über 80 % der Weihnachtsbriefe und Weihnachtskarten. Jedenfalls ist das mein Eindruck. Ich mag diese Formulierung gar nicht. Es so viele schöne Formulierungen, mit denen wir einen Brief oder eine Karte beginnen können. Außerdem gab es bestimmt auch bei dem Schreiber schöne Momente, glückliche und fröhliche Stunden für die es Worte gibt und die er anstelle dieses schweren Satzes verwenden könnte.

Natürlich ist es so, dass am Jahresende besonders deutlich wird, das das Jahr zu Ende geht. Wie sollte es auch anders sein? Das Neue steht schließlich schon in den Startlöchern. Ich frage mich, warum sich das alte Jahr neigt. Weil es dem neuen Jahr entgegen schaut? Verneigt es sich? Und wenn ja, warum? Weil das Neue vielleicht besser ist als es selbst? Oder weil das Alte dem Neuen Platz macht, es zur Seite tritt, damit das Neue heran treten kann? Oder weil es durch die Erlebnisse, die es in seinem Jahr hatte gebeugt ist vor Anstrengung, vor Gram vor Ärger? Vielleicht verneigt es sich auch vor dem schönen, das es erlebt hat. Wenn nicht, empfehle ich ihm dringend, sich auch an die schönen Momente zu erinnern – es waren mit Sicherheit welche dabei.

2018 verbeugt sich

Ich stelle mir gerade vor, wie sich die 2018 beugt, ein wenig krumm macht und mit einer einladenden Geste die 2019 herbei winkt und wie ein Diener dabei wirkt. Ach liebes 2018, das hast du gar nicht nötig! Das Schwere ist wichtig, damit wir lernen und besser werden. Das Schöne ist dazu da, die Erinnerungen lebendig zu halten und sie in den schweren Zeiten lebendig werden zu lassen, damit wir uns wieder aufrichten und uns motivieren und lächeln, statt die Mundwinkel nach unten zu ziehen.

Jede Menge Gutes in 2019

Ich plädiere für einen ungebeugten Übergang von 2018 auf 2019. Lieber mit geradem Rücken, Mut und Fröhlichkeit nach vorne schauen und gespannt sein, was 2019 so im Gepäck hat. Ich bin sicher: Jede Menge Gutes.

Dazu passt dieses Zitat von Dietrich Bonhoeffer sehr gut:

Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen fröhliche, besinnliche und friedliche Weihnachten. Starten Sie gut, gesund und mit einem offenen Blick nach vorn in das neue Jahr.

Herzlichst,

Ihre Anja Kuhn



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