Die Buchstaben sind wie Ameisen und haben ihren eigenen geheimen Staat.
Elias Canetti

Ich kann, du kannst, man kann

Foto: pixabay.com/geralt

Das tut man nicht. Das trägt man heute. Das macht man so.

Wer genau ist „man“? Diese Frage stelle ich mir jedenfalls immer wieder aufs Neue, wenn meine Gesprächspartner von einer diffusen Person sprechen, die auf jeden Fall nicht anwesend zu sein scheint. In unserem Gespräch ist sie gleichzeitig sehr präsent.

Ist „man“ eine Person? Sind es mehrere? Vielleicht sogar eine ganze Gruppe?

„Man“ scheint immer dann aufzutauchen und sich in das Gespräch einzumischen, wenn sich der Sprechende aus der Verantwortung stehlen will. Wenn er oder sie nicht will, dass es eine Verbindung zwischen ihm und dem Gesagten gibt. Mit „man“ geht derjenige auf Distanz, weicht einen Schritt von dem Gesagten zurück und übergibt die Verantwortung irgendjemand, der Allgemeinheit, der Gesellschaft. Damit wird das Gesagte passiv, die direkte Anrede wird vermieden und die Person verschwindet in der Menge. Scheinbar gesellschaftliche Gepflogenheiten übernehmen hier die Verantwortung.

„Man“ gehört für mich zu den Ausdrucks-Phänomen, mit deren Hilfe unsere Sprache unklar und schwammig wird. Das Bekenntnis zu dem eigenen Standpunkt, zu der eigenen Meinung geht dadurch verloren und wir verstecken uns hinter angenommenen und allgemeingültigen Phrasen. Es scheint so, als wäre der Mut verloren gegangen, Wünsche, Bedürfnisse und auch Grenzen klar zu formulieren und dazu zu stehen. Dabei ist die Verantwortung für das eigene Handeln und das, was wir sagen, so wichtig. Indem wir das Gesagte mit uns verbinden zeigen wir uns verletzlich und nahbar. Wir offenbaren Haltungen und Werte, Einstellungen und Meinungen. Das gefällt nicht immer jedem. Genau deshalb gibt es sicherlich so viele „man“-Nutzer. Ich plädiere jedenfalls für mehr „ich“ und „du“ und deutlich weniger „man“.



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