Jeder Winkel erzählt eine Geschichte

Kurvenreich schlängelt sich die Straße den steil ansteigenden Petersberg hinauf. Immer wieder schalte ich einen Ganz zurück und nach der Kehre wieder hinauf. Endlich passiere ich ein Gebäude, das wie ein Pförtnerhaus in groß anmutet und fahre Richtung Parkplatz. Mein Ziel ist erreicht: Das Steigenberger Grandhotel Petersberg.

Ich bin nicht zum ersten Mal hier, doch diese fantastische Aussicht verführt mich dazu, trotz leichter Verspätung, den Ausblick für zwei Minuten zu genießen. Erste frühlingshafte Sonnenstrahlen und ein königsblauer Himmel sind einfach zu verlockend, denn Sie erlauben eine unglaubliche Fernsicht.

Ich habe das Gefühl, über das Bonner Rheintal bis nach Köln schauen zu können. Ist das eine Einbildung oder eine Fata Morgana? Später erfahre ich von dem Hoteldirektor, dass es durchaus möglich ist, den Kölner Dom zu sehen, wenn es besonders klar ist. Also doch keine Sinnestäuschung.

Ich mache mich auf den Weg zum Haupteingang. Das langgestreckte und verwinkelte Gebäude wirkt wie eine elegante, ältere Dame. Es wurde im Jahr 1892 erstmals eröffnet und hat bis heute meiner Meinung nach in keiner Weise etwas von seinem Charme eingebüßt. In diesen Mauern haben geschichtsträchtige Treffen stattgefunden und wurden weltpolitisch wegweisenden Entscheidungen getroffen.

Ursprünglicher Besitzer war Ferdinand Mühlens, der ehemalige Besitzer der 4711 Kölnische Wasser- und Parfümfabrik. Ich frage mich, wie seine Gäste damals ohne Autos diesen Berg aus Königswinter hinaufkamen. Und was machten sie mit ihrem Gepäck? Trugen sie es etwa selbst? Vermutlich nicht. Dafür gab es sicher Personal.

Von 1949 bis 1952 war das Grandhotel Sitz der Alliierten Kommission. Von 1955 bis 1969 und nach einem umfassenden Umbau wieder ab 1990 diente das Grandhotel auf dem Petersberg als Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland. Politiker, Botschafter und viele andere mehr tauschten sich hier aus, diskutierten und bestimmt stritten sie auch miteinander.

Im Kaminzimmer, in dem der original Kamin erhalten wurde, schaut Konrad Adenauer mit strenger Miene auf mich hinab. Das Feuer lodert gemütlich, die Polster laden mich regelrecht ein, hinein zu sinken. Ach könnte ich doch mit Herrn Adenauer ein wenig plaudern … Was der wohl zu all den Herausforderungen sagen würde?

Große Namen, große Geschichte(n)

Bill´s Restaurant & Grill

Charles Bistro & Café versprüht französischen Charme und hat seinen Namen natürlich von Charles de Gaulles, der sich im September 1962 mit Konrad Adenauer hier traf. Der Namensgeber von Bill´s Restaurant & Grill ist kein geringerer als Bill Clinton, der 1994 Gast auf dem Petersberg war. Der Name von Ferdinand Wine & Dine ehrt übrigens den Erbauer Ferdinand Mühlens. Und Nelson´s Bar erinnert an Nelson Mandela, dem zu Ehren in der Bar afrikanische Tänze aufgeführt wurden.

Auch heute noch ist das Gebäude des Grandhotels im Besitz des Bundes und dient als Gästehaus und Veranstaltungsort nationaler und internationaler Konferenzen. In der festlichen Rotunde und im Ballsaal finden regelmäßig hochkarätige Veranstaltungen statt.

Schreittreppe zur Rotunde

Gebührlich schreiten

Beeindruckend finde ich die „Schreittreppe“. Sie führt hinab in die Rotunde, von der die Gäste einen fantastischen Blick über Königswinter und Bonn genießen können. Die Stufen führen in einem leichten Bogen hinunter und sind breiter, dafür aber weniger hoch als übliche Treppenstufen. Wer diese Stufen hinab steigt muss zwangsläufig schreiten. Eine Dame, die ein langes Kleid trägt, hat dabei sicherlich das Gefühl, Prinzessin zu sein. Bei einer echten Prinzessin soll es übrigens passiert sein, dass ein Würdenträger ihr versehentlich auf das Kleid getreten hat. Das ist noch gar nicht so lange her!

Dieses wunderbare Gebäude und zeigt, dass auch ein vermeintlich starres Gemäuer eine Vielzahl an Geschichten erzählen kann, die Werte transportieren und eine bestimmte Form von Sehnsucht und Bindung erzeugen können.

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