Die Buchstaben sind wie Ameisen und haben ihren eigenen geheimen Staat.
Elias Canetti

Keine Angst vor Spontanauftritten: Denn wir wissen, was wir tun

Halten Sie gerne Vorträge? Lieben Sie es, spontan aufgerufen oder angesprochen zu werden, um einen Beitrag in einer großen Runde oder einem Symposium zu leisten? Schauen sie unbeteiligt weg, wenn der Moderator einer Gesprächsrunde seinen Blick kreisen lässt, um einen Wortbeitrag einzuholen? Oder gucken Sie ihn direkt an, um seinen Blick auf sich zu lenken?

Ich mache das sehr gern. Es spornt mich an und fordert mich heraus. Zugegeben: Vor einigen Jahren war solche eine Situation noch der blanke Horror für mich. Mein Puls überschlug sich, mir wurde heiß (leider konnte das jeder sehen, weil ich rote Flecken am Hals bekam) und ich wusste im ersten Moment gar nicht, was ich sagen sollte.

Raus aus der Komfortzone

In einer Fortbildung lernte ich dann damit umzugehen. Zwei Übungen haben mir dabei besonders gut geholfen: Wir hatten 60 Sekunden Zeit, um über ein persönliches Erlebnis zu sprechen und die anderen möglichst lebendig daran teilhaben zu lassen. So weit so gut. Das schwierigste an dieser Aufgabe war, spontan ein Erlebnis zu finden, über das ich sprechen wollte. Diese Aufgabe entpuppte sich als sehr gut lösbar.

Die zweite Aufgabe hatte es da schon deutlich mehr in sich: Wir sollten einen 60-sekündigen Vortrag über ein uns bis dahin nicht bekanntest Thema halten.

Sobald ich an der Reihe war, zeigte der Trainer mir eine Karte, auf der mein Thema stand. Ich weiß es noch – als wäre es gestern gewesen: Die traditionellen Instrumente, auf denen die Bewohner der Fidschi-Inseln musizieren. Puh, ich hatte noch nie gehört, welche Instrumente dort traditionell sein könnten, geschweige denn, wie sie aussehen.

Von einer Sekunde auf die andere musste ich meine Komfortzone verlassen. Der Wohlfühlfaktor war gleich null. Und dann passierte etwas völlig Überraschendes: Ich beschrieb diese mir völlig unbekannten Instrumente so lebendig, bildreich und mit Gesten untermalt, dass sich jeder aus der Gruppe vorstellen konnte, wie sie aussehen. Ich war wohl selber am meisten überrascht. Eine spannende Erfahrung!

Fazit

Mein Fazit dieser Übung: Das bekannte Erlebnis zu beschreiben fühlt sich deutlich leichter zu bewältigen an. Wir fühlen uns damit wohl, weil wir das Geschehnis selber erlebt haben. Bei einem erfundenen Thema ist das deutlich schwieriger.

Wenn wir in einer fachlichen Runde zusammenkommen, kennen wir in der Regel das Thema, um das es geht. Wir gehören schließlich zu den Experten, und wissen, wovon die anderen und insbesondere auch wir selbst sprechen. Deshalb ist es gar nicht nötig, besonders nervös zu sein. Wir sind ja nicht ohne Grund Teil dieser Runde und wissen genau, wovon wir reden. Schließlich ist es unser tägliches Brot.

Einfach mal ausprobieren

Um sicherer und lockerer in Präsentationen und Vorträgen zu werden, eignet sich die oben beschriebene Übung sehr gut. Probieren Sie es einmal aus. Stellen Sie sich eine Uhr und erzählen Sie einer beliebigen Person aus Ihrem Umfeld innerhalb von 60 Sekunden von einem Erlebnis. Und dann bitten Sie diese Person, Ihnen ein beliebiges Thema zu nennen, über das sie 60 Sekunden sprechen sollen. Sie werden sehen: es hilft!



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