Die Buchstaben sind wie Ameisen und haben ihren eigenen geheimen Staat.
Elias Canetti

Wenn die Negativ-Falle zuschnappt

Foto: fotolia.com/Lillian

Sind Sie schon einmal in die Negativ-Falle getappt? Ich schon. Und es wird mir sicherlich auch wieder passieren. Heute bin ich allerdings besser darauf vorbereitet und kann mich schneller aus ihr befreien oder werde im besten Fall gar nicht von ihr geschnappt.

Die Negativ-Falle erwischt uns immer dann, wenn wir sehr einseitig auf einen Menschen, eine Sache oder einen Umstand schauen. Sie funktioniert mit einem Mechanismus, der der Mausefalle ganz ähnlich ist. Sobald wir ihn berühren, schnappt sie zu und wir sitzen fest.

Stellen Sie sich folgendes vor: Ein neuer Kollege kommt in ihr Team. Sie sehen diesen Menschen an seinem ersten Arbeitstag das erste Mal. Innerhalb von Sekunden bilden sie sich ihr Urteil über ihn. Er wirkt selbstbewusst und leicht arrogant auf Sie und schon in der ersten Arbeitswoche bringt er sich mit Vorschlägen und Ideen ein, um die Arbeitsabläufe und Prozesse in ihrem Team zu verändern. Sie reagieren verärgert: „Was denkt der sich? Macht am ersten Tag schon auf dicke Hose, anstatt sich erst einmal alles anzuschauen und den Betrieb und die herrschenden Abläufe kennen zu lernen.“

Schon ist der Mechanismus sensibel und die Falle bereit für Sie. Ab jetzt warten Sie geradezu darauf, dass er an den folgenden Tagen in seiner vermeintlichen Arroganz alles umkrempeln will. Und natürlich werden sie in ihrem Vor-Urteil bestätigt. In ihren Erzählungen zu Hause und in informellen Gruppen in ihrem Unternehmen ist er seit dem ersten Tag der „Überhebliche“, der „Verbesserer“ und der „Alles-besser-Könnende“. Die Folge davon ist, dass sie ihm gar keine Chance geben, das Bild zu korrigieren. Noch schlimmer ist, dass sie mit Hilfe dieser Bezeichnungen eine Mauer schaffen, die die Kommunikation mit ihrem Kollegen behindert oder gar nicht zulässt. Selbst wenn andere Kollegen begeistert von ihm sprechen und seine Fähigkeiten loben, nehmen sie das nicht an.

Dieser Kollege selbst spürt natürlich, dass sie sich ihm gegenüber distanziert bis abwehrend verhalten und ihn gar nicht besser kennen lernen wollen. Er zieht sich von sich aus von ihnen zurück. Ihre negative Energie überträgt sich auf ihn.

In solch einem Fall kann Sprache ein wirklicher Ver-Hinderer sein. Sie ver-hindert, dass wir uns auf den Menschen einlassen um heraus zu finden, was sich hinter seinen ersten Äußerungen verbirgt. Vielleicht sind seine Vorschläge sehr gut und verbessern tatsächlich ihre Arbeit. Vielleicht wollte er auch einfach nur seine Kompetenzen aufzeigen um sich in dem bestehenden Team eine Position zu erarbeiten. Vielleicht war seine vermeintliche Arroganz auch nur Unsicherheit, die er als Neuer überspielen wollte ….

Indem wir negative Bezeichnungen für eine andere Person nutzen, machen wir es uns selbst schwer, hinter die Fassade zu schauen. Je stärker wir uns in die Bezeichnungen verlieren und je häufiger wir sie verwenden, desto schwieriger wird es, selber aus der Falle heraus zu kommen. Wenn die Ausdrücke härter ausfallen, wird es noch schwerer.

Das Gute ist: Wenn wir es selber erkennen, dass wir in die Falle geraten sind, gelingt es uns, uns daraus zu befreien. Manchmal benötigen wir ein wenig Zeit dafür. Das finde ich nicht dramatisch. Wichtig ist doch, dass wir unsere Kommunikations-Fehler aufdecken und verbessern. Dann schnappt die Falle beim nächsten Mal nicht so schnell zu.



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