Die Buchstaben sind wie Ameisen und haben ihren eigenen geheimen Staat.
Elias Canetti

Wie Worte wirken: Aus Worten werden Bilder

Wie Worte wirken: Aus Worten werden Bilder

Wie Worte wirken: Aus Worten werden Bilder

Metapher sind Wortbilder, die wir gezielt einsetzen, um eine Information emotional aufzuladen. Sie verbinden ein möglicherweise abstraktes Wort mit einem Gefühl, so dass wir es uns besser vorstellen können. Seit einigen Wochen erhalten wir aus allen Richtungen Informationen und Beschreibungen über die Ausbreitung des Corona-Virus. Die Wortwahl der Beschreibungen ist dabei ganz unterschiedlich.

„Wir sind im Krieg. Im Krieg gegen einen unsichtbaren Feind.“ Mehrere Staatschefs haben diese Formulierung in den letzten Wochen gewählt. Die meisten sprechen von der „Krise“, manche bezeichnen Corona als „Situation“.

Bilderflut im Kopf

Alle drei Bezeichnungen lösen eine Bilderflut in unseren Köpfen aus, die ganz gezielt mit Hilfe der Wortwahl in eine bestimmte Richtung gelenkt wird. Das Wort „Situation“ wirkt auf die Bilder in meinem Kopf eher schwammig und nebulös. So recht kann ich hierzu keine Bilder entwickeln. Was heißt das schon – Situation? Eine Situation beschreibt die aktuelle Lage. Diese kann fatal, peinlich, ausweglos oder unbestimmt sein. Genauso sind die Bilder, die in meinem Kopf bei dem Wort Situation entstehen: unbestimmt und unklar.

Bei dem Wort Krise ist das schon anders. Dieses Wort macht deutlich: Die Lage ist schwierig. Krise steht für etwas negatives. Für einen Wendepunkt, eine gefährliche Entwicklung, eine kritische Situation. Auch wenn ich zu diesem Wort keine sehr deutlichen Bilder entwickle, sind meine Emotionen stärker als bei dem Wort Situation. Meine Erfahrungen sagen mir einfach, dass eine Krise bedrohlich sein kann und Gefahren birgt. Ich sehe Bilder mit Menschen, die heftig miteinander diskutieren und um Lösungen ringen.

Wenn wir uns das dritte Wort anschauen – Krieg – dann ist das etwas ganz anderes. Bei dem Wort Krieg, entstehen sehr konkrete Bilder. Ich sehe eine Flut von Bildern, die verschiedenste Szenarien zeigen. Szenarien, die ich Gott sei Dank nicht selber erlebt habe und nur aus Büchern, Dokumentationen und Filmen kenne. Dennoch sind diese Bilder sofort da, wenn ich das Wort Krieg höre oder lese.

Was wollen wir be-wirken

Mir geht es hier gar nicht darum, die einzelnen Worte zu bewerten. Ich beobachte nur, was sie mit mir persönlich machen und welche Bilder und damit verbundenen Emotionen sie in mir auslösen. Als ich darüber nachdachte, ist mir sehr deutlich geworden, was Worte mit uns machen können. Wie sie wirken und was sie be-wirken. Ich finde, dass sie ein guter Hinweis an uns sind, achtsam mit unserer Wortwahl umzugehen. Was wollen wir sagen? Was wollen wir mit dem, was wir sagen, be-wirken?



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