Interview mit Bettina Montazem

Obdachlos über Nacht: Wie ich mitten in Köln aus der Krise Schönheit erschaffen habe

Bettina Montazem betreibt mit ihren beiden Töchtern das Urania Theater in Köln. In unserem Gespräch erzählt sie, wie sie nach vielen Jahren Pause zu ihrer Theaterleidenschaft zurückfand und in ihren Krisen Chancen entwickelt hat.

Ihre Produktionen sind von Hand gemacht, emotional und detailverliebt. Diese Liebe hat mit Shakespeare begonnen und sie nie losgelassen. Als alleinerziehende Mutter verdiente sie ihren Lebensunterhalt in der Verwaltung und setzte jahrelang keinen Fuß in ein Theater. Das Fehlen des Theaters macht sie krank. Im Alter von 40 Jahren erinnert sie sich an ihre Träume.

Schritt für Schritt baut sie sich ihre Theaterwelt auf und führt heute gemeinsam mit ihren beiden Töchtern das Urania Theater, wo sie mit großer Leidenschaft Kombinationen aus Zirkus und Oper präsentieren. Diese Kombination liebt sie sehr und erzählt, woher diese Liebe kommt. Zusätzlich macht sie zeitgenössisches Theater mit sozialen und politischen Themen, die deutschlandweit von Kulturämtern eingekauft werden.

Als mitten in der Theatersaison 2025 ihre langjährige Spielstätte in Köln Ehrenfeld über Nacht geschlossen werden muss, werden die drei Frauen und ihr Theater über Nacht obdachlos. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, sucht sie nach Lösungen. In dieser Krise stehen viele Menschen an ihrer Seite und zwei Wochen später eröffnen sie das Urania Theater im Spiegelpalast in Köln Mühlheim. Inmitten von Beton ist dieser Ort etwas ganz besonderes und ihre Liebeserklärung an die Stadt Köln.

Das Schöne in der Krise sehen

Bettina erzählt, dass die Erfahrung, als Kind ihre Heimat Iran verlassen zu müssen, ihr geholfen hat, diese Krise zu meistern. Diese Resilienz und den Ansporn, in jeder Krise etwas Schönes zu sehen, hat sie an ihre Töchter weitergegeben.

Sie schildert ihre Erinnerungen an das Aufwachsen im Iran, die Flucht und wie die Zerrissenheit, die die Familie damals erlebte, sie geprägt hat.

Sie beschreibt, wie die Geschichten für ihre verschiedenen Shows entstehen und lebendig werden. Wenn sie über ihre Arbeit spricht, sagt sie: „Meine Idee ist, dem Elend, der Verzweiflung und dem Dreck Schönheit entgegen zu setzen.“

Außerdem sprechen wir über ihre aktuellen Herausforderungen, Glücksmomente und über das Lachen. Auch politische Themen kommen nicht zu kurz.

Bettinas Lebensphilosophie: „Mit jeder Faser lebendig zu sein, die Freiheit zu haben, alles zu denken, alles zu fühlen und sich selber die Freiheit zu geben, alles tun zu können.“

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