Die Buchstaben sind wie Ameisen und haben ihren eigenen geheimen Staat.
Elias Canetti

Trennen fällt schwer – Liebgewonnene Füllworte und Ihre Folgen

Foto: fotolia.com/Thomas Reimer

Jeder von uns hat so seine Lieblinge, wenn es darum geht, Sprech-Lücken zu überbrücken oder seine Aussagen mit Hilfe von so genannten Weichspüler-Wörten zu schmälern! Das Schöne daran ist: wir bemerken es gar nicht. Demzufolge fällt die Trennung von solchen Worten ziemlich schwer, denn sie sind uns wie in Fleisch und Blut übergegangen.

Ich habe vor einiger Zeit mit einer Freundin einen kleinen Wettbewerb begonnen. Dabei ging es darum, gegenseitig mittels einer Strichliste aufzuschreiben, wann wir das Wort „eigentlich“ benutzen. Jeder Strich stand für 10 Cent. Von dem Erlös wollten wir Kaffee trinken gehen. Wir hatten jedoch nicht festgelegt, in welchem Zeitraum wir die Strichliste führen. Schon nach wenigen Tagen haben wir aufgegeben. Es war einfach zu frustrierend, wie häufig wir beide unsere Aussagen durch dieses so unscheinbare Wort selber in Frage stellten.

Kürzlich habe ich eine Präsentation erlebt, bei der der Präsentierende nach jedem Satz wie zur eigenen Bekräftigung das Wort „genau“ einschob. Beides – eigentlich und genau – zeigen dem Zuhörer aber deutlich, dass der Verwender seinen eigenen Aussagen nicht traut und mit Hilfe dieser Weichsspül-Worte Inhalte aufweicht und damit schmälert. Quasi ist übrigens auch so ein Wort.

Das Ergebnis ist, dass die Inhalte nicht als gesichert vermittelt werden und die Kompetenz des Redners leidet.

Genauso ist es übrigens mit den wunderbaren Silben ähm und so. Denn sie treten immer dann auf, wenn der Redner unsicher ist was er als nächstes sagen möchte. Sie schieben sich nahezu von selbst in eine Sprech-Lücke ein. In der Folge scheinen sie sich auch noch von selbst zu vermehren ohne dass der Verwender etwas dafür kann. Aber genau das ist der Fall! Es ist gar nich so schwer wie Sie denken, sich von diesen Lieblings-Füllworten zu trennen.

Ich verrate es Ihnen:

  1. Bereiten Sie sich auf Ihre Präsentation bestmöglich vor, üben Sie die Inhalte und entwickeln Sie Text-Brücken für Folienübergänge. Dann entstehen keine Sprech-Lücken und Sie können alle möglichen Fragen beantworten.
  2. Lassen Sie sich von Freunden auf Ihre störenden Füllwörter hinweisen. Wenn Sie selber wissen, dass Sie sie benutzen ist das der erste Schritt sich von ihnen zu trennen.


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