Wie der Mount Everest meine Geschichte prägte

Wie der Mount Everest meine Geschichte prägte

August 2004: Ich stand in meinem langen Flur auf der Leiter und verputzte die Wände. Fast ein Jahr lang hatte ich überlegt, wie ich sie gestalte und mich für einen feinen Rau-Putz entschieden. „Selbst ist die Frau“, hatte ich gedacht und den Aufwand leicht unterschätzt.

Nach zwei Wochen Arbeit blickte ich stolz auf mein Werk. Gleichzeitig spürte ich, dass ich endlich einmal wieder richtig Urlaub machen wollte. Die Jahre davor hatten mich unglaublich viel Kraft gekostet. Es sollte etwas Großes sein: Ich träumte von einer Rundreise durch Tibet.

Die Schwester einer Freundin arbeitete bei einem Spezial-Anbieter für Asien-Reisen. Sie hatte mir einen Katalog mitgebracht und ich blätterte ihn Seite für Seite durch. Drei Reisen kamen in die engere Auswahl. Schließlich entschied ich mich für „Natur und Kultur“ – eine Rundreise die über Kathmandu in Nepal nach Lhasa führte und mit dem Auto quer durch Tibet zurück zum Ausgangspunkt.

Einige Wochen vor der Reise fragte mich meine damalige Chefin in der Mittagspause: „Sag mal, mit wem bist Du da eigentlich unterwegs?“ „Mit drei Frauen, einem Guide und einem Fahrer“, antwortete ich. „Hast Du keine Sorge, dass Ihr Euch nicht versteht?“ hakte sie nach. Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht.

Ich hatte alle Visa beisammen, meine Reise-Apotheke nach den Vorgaben mit sterilen Spritzen, passenden Nadeln, Antibiotika und klassischen Marialien aufgefüllt. Der 45-Liter Rucksack einer Freundin stand bereit. Doch die Frage meiner Chefin wirkte nach. Entschlossen schob ich sie beiseite.

Die Reise beginnt

Am Frankfurter Flughafen lernte ich meine Mitreisenden kennen. 21 Tage auf engstem Raum in einem klapprigen Jeep schweißten uns zusammen. Wir erlebten gemeinsam jede Menge aufregende Situationen, besuchten die ältesten Pilgerstätten und Klöster in Tibet und gewöhnten uns daran, auf über 4.000 Meter unterwegs zu sein. Das Highlight der Tour wartete kurz vor Ende der Reise auf uns: Eine Nacht in Rongbuk, dem höchstgelegenen Kloster – 5009 m – der Welt. Wir würden dort in einer einfachen Unterkunft schlafen und zum Base Camp I des Mount Everest gehen.

Dass die acht Kilometer von der Unterkunft bis zum Base Camp auf knapp 5.300 Meter so anstrengend werden würden, hätte ich nie für möglich gehalten. In den Wochen zuvor hatten wir unser westliches Tempo an die Höhe angepasst. Gemächlichen Schrittes und mit zwei Liter Wasser im Gepäck gingen wir auf der unbefestigten Straße am Gletscherfluss entlang. Wir überholten eine Gruppe Studenten, von denen zwei mit der Höhenkrankheit kämpften.

Im Camp angekommen musste ich mich erst einmal setzen. Ich war erschöpft und schaute dorthin, wo ich den Gipfel vermutete. Er war von Wolken verhüllt. Der Betreiber eines Versorgungszeltes kam zu mir und wollte mir Schmuck verkaufen. Ich vertröstete ihn, denn ich wollte einfach nur den Augenblick alleine genießen.

Dann geschah es: Die Wolkendecke öffnete sich und enthüllte den Gipfel. Der König der Berge zeigte sich mit seinem markanten Gipfel. Es war magisch und ich sog diesen besonderen Moment in mich auf. Am nächsten Morgen erfuhren wir beim Frühstück, dass nicht alle Reisende dieses Glück hatten.

Dieser Moment machte etwas mit mir. Mir wurde die majestätische Kraft der Berge bewusst. Ich entdeckte eine Leidenschaft in mir, die ich bis dahin noch gar nicht gekannt hatte.

Ein Jahr später überquerte ich mit Freunden die Alpen, wanderte 2014 auf die Zugspitze, bestieg vier Jahre später den Großglockner und wanderte auf und um den Watzmann.

Eine starke Bildsprache für meine Geschichte

Als ich das erste Mal die Geschichte von meinem beruflichen Weg erzählen sollte, saß ich an meinem Schreibtisch und überlegte, wie ich sie spannend und mit starken Bildern anreichern könnte. Die bloßen Jahreszahlen erschienen mir zu fad.

Meine Gedanken wanderten zu dem magischen Moment am Mount Everest und auf einmal wusste ich, wie ich es machen würde: Eine Bergtour enthält all das, was ich erlebt hatte: Aufregende Höhen, tiefe Stürze, Stürme, die mich am Vorankommen hinderten, ein Base Camp, in dem ich neue Kräfte sammeln konnte.

„Das ist es“, schoss es mir durch den Kopf. Ich hatte meine Bildsprache gefunden.

Genau das kannst Du auch: Wenn Du Deine Geschichte erzählen möchtest, wähle eine starke Bildsprache, die zu Dir passts. Überlege Dir, welche Bilder zu welchen Situationen passen und baue Deine Geschichte Bild für Bild so auf, dass sie einem roten Faden folgt und einen Spannungsbogen enthält.

Deine Bildsprache kann einem Hobby – beispielsweise Segeln oder einer Ballsportart – entsprechen, sich an der Natur – Berge, Wald, Wasser – anlehnen oder einem allgemeinen Thema wie Kochen oder Autos.

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