Die Geschichte hinter der Geschichte

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Eine große Geschichte besteht oft aus vielen kleinen Bausteinen, die sich wie ein Puzzleteil mit dem nächsten zu einem Bild zusammenfügen. Die Geschichten hinter den Geschichten machen oftmals den besonderen Charme einer Story aus.

Kürzlich habe ich einen Vortrag von zwei Wissenschaftlern gehört, die über ihr Herzensprojekt sprachen: Eine Schülersternwarte. Obwohl der Vortrag nur für 20 Minuten anberaumt und der Ablauf des Abends nahezu minutiös geplant war, lief der Vortrag zeitlich völlig aus dem Ruder. Der Grund waren zwei kleine Episoden, die gar nicht zu dem Vortrag gehörten.

Eine Episode handelte von dem Kauf des Teleskops. Das hört sich erst einmal unspektakulär an. Dabei war es genau das Gegenteil: Spektakulär.

Die beiden Wissenschaftler träumten davon, eine eigene Sternwarte zu bauen. Eines Tages wurden sie von einem Bekannten auf den Verkauf eines der größten astronomischen Teleskope im süddeutschen Raum aufmerksam gemacht. Kurzentschlossen warfen sie ihr Erspartes zusammen und ersteigerten das Teleskop. Einer der beiden stellte sein Grundstück zur Verfügung, auf dem die Sternwarte gebaut werden sollte.

Als nächstes musste das Teleskop abgeholt werden. Es war bereits von dem Berg, auf dem es ursprünglich gestanden hatte, abgebaut und ins Tal transportiert worden. Nun benötigten sie einen LKW. Sie liehen sich ein Fahrzeug aus und machten sich voller Vorfreude auf den Weg Richtung Süden. Plötzlich stellte ein Bekannter die Frage: „Habt Ihr auch an einen Gabelstapler gedacht?“ „Nein, wir haben doch eine Hebebühne“. „Ja, schon, aber Ihr müsst doch das Teleskop auf die Hebebühne heben um es dann mit der Bühne anzuheben und in den LKW zu fahren.“ In der Fahrerkabine entstand Schweigen. Ernüchterung drängte die Vorfreude beiseite. Nach einigen Minuten wurde es lebendig. Der Pragmatismus und der Lösungswille waren stärker als die Ernüchterung. Sie suchten im Internet verschiedene Unternehmen in der Gegend von München heraus, riefen dort an und erzählten ihre Geschichte. Und tatsächlich: Ein Unternehmen fand die Geschichte einfach zu gut, um nicht zu helfen und lieh den beiden einen Stapler. Sie fuhren von der Autobahn ab direkt zu dem Unternehmen, luden den Stapler auf und einige Zeit später damit ihr Teleskop auf. Auf dem Rückweg brachten sie den Stapler zurück und das Teleskop sicher an seinen Bestimmungsort.

Es war nicht mehr wichtig, dass die Vortragszeit überschritten war. Während die beiden Herren ihre Geschichte erzählten, hingen alle Zuhörer wie gebannt an ihren Lippen. Es fühlte sich beinahe so an, als wären wir selber dabei gewesen, als in der Fahrerkabine des LKW plötzlich Stille und Ratlosigkeit herrschte.

Die Gefühle wurden greifbar und gaben dem Vortrag eine ganz besondere, persönliche Note und ließen uns in unserer Fantasie an dem Erlebten teilhaben.

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